BIKERBELL

the magic of noise

 

"Mythos ist die geheime Öffnung,
durch welche die Energien des Kosmos
in die menschliche kulturelle
Manifestation strömen."

Joseph Campbell

 

 

Samstag 3. Mai 2006: Auf unserer Motorradtour durch die Staaten kommen meine beiden Kumpels Angelo, Joe und ich in das kleine Dorf Beatty. Vor einem kleinen Motel mitten im Ort parken wir unsere Harleys. Die Dusche war eine Wohltat, denn schließlich waren wir fast vierzehn Stunden mit unseren Bikes bei sengender Hitze unterwegs. So wie in den vorangegangenen Tagen beschließen wir den Tag bei einem kühlen Bier ausklingen zu lassen.

Gegenüber unserer Bleibe lag eine kleine, verträumte Truckerkneipe, der Sourdough Saloon. Einmal im Jahr, so erfahren wir, ist dort die Hölle los. Da kommen alle Bewohner des Tal's zusammen um bei Country Songs und reichlich Bier abzufeiern. Die einheimischen nennen es den „Pig Roast“ und der fand genau heute statt. An riesigen Grillern brutzelte Fleisch, Salat und Brot wurde von Tisch zu Tisch gereicht. Zeitweise fühlten wir uns in einen Wild West Roman zurückversetzt, denn die Männer trugen abgewetzte Jeans, Cowboyhüte und auch Pistolen. Die Ladys trugen lange, schöne Kleider. Nachdem wir unsere Mägen gefüllt hatten, begaben wir uns an die Bar. Die Band begann zu spielen und schon bald füllte sich auch die Tanzfläche. Fasziniert beobachteten wir das Treiben in Lokal als auch deren Besucher.

So gegen 22 Uhr, war das Lokal zum Bersten voll. Die meisten Gäste zeigten sich vom Bier benebelt, und es wurde zusehends lauter und lauter. Kaum einer der Gäste nahm den alten, braun gebrannten Mann mit langem weißem Haar und seine Frau war, als diese das Lokal betraten. „Echte Indianer“ – wir waren fasziniert. Dass sie sich dann auch noch neben uns setzten, war so etwas wie der Höhepunkt des heutigen Tages. Es dauerte auch nicht lange, bis mich die alte Frau ansprach, woher wir den kämen, denn sie hätte unsere Sprache noch nie gehört. Ja, Burgenländer dürften in dieser Gegend nicht so oft vorbeikommen…

So gut es ging, erklärten wir den beiden woher wir kommen und wohin unsere Reise noch gehen würde. Klar luden wir sie auch auf ein paar Bier ein und so wurde es auch für uns immer lockerer. Der alte Indianer erzählte uns von seinen Vorfahren, und wie ihnen der Staat alles wegnahm. Eddah – so war sein Name, schlug sich voller Stolz  auf die Brust als er sagte, er wäre ein echter Apache. Früher, so erzählte er, arbeitete er für die Regierung als Sprengmeister. Heute lebt er abgeschieden mit seiner Frau auf einer kleinen Farm ca. 50 Meilen von Beatty. Als wir ihn fragten, wie es denn sei, das Death Valley mit den Bikes zu durchfahren, wurde er um einiges ernster. Es sei nicht ungefährlich und jedes Jahr würden einige Greenhorns dort draufgehen. Sie würden die Wüste ganz einfach unterschätzen. Wir sollen sehr aufpassen, Wasser bunkern, und sehr zeitig aufbrechen. Wir nahmen die Worte dieses alten weisen Mannes sehr ernst, tranken unser Budweiser aus und verabschiedeten uns bei den Beiden. Eddah sagte daraufhin etwas zu seiner Frau, und bat uns noch etwas zu warten, denn seine Frau würde uns etwas holen. Verdutzt setzten wir uns wieder. Kurze Zeit später kam die Indianerin wieder und übergab jedem von uns einen kleinen Sack, mit einer kleinen Glocke drinnen. Eddah sagte, wir sollen dieses Glöcklein am Bike befestigen und fest an seine Kraft glauben.

     

Klar taten wir, was er von uns verlangte, allerdings beschäftigte uns diese Begegnung die restlichen Tage immer wieder. Wir lernten noch viele Menschen auf unserer Tour kennen, besuchten wunderbare Orte und hatten noch mehr Spaß auf unseren Harleys als die Tage zuvor. Es war alles irgendwie anders, und auch unsere Motorräder waren wie ausgewechselt.

Nach einem Monat waren wir wieder zurück in „good old europe“, den Kopf voller Erlebnisse und Geschichten. Doch was uns am Meisten faszinierte war die Begegnung mit dem Indianer. Wir wollten einfach mehr über die Glocke, und deren Ursprung erfahren.

Wir durchpflügten alten Bücher, sowie das Internet und fanden immer mehr Informationen. Die Bikerbell, so fanden wir heraus, gibt es schon sehr lange. In den letzten Jahren war sie bzw. ihre magische Kraft jedoch etwas in Vergessenheit geraten. Früher fand man die Bikerbell's sowohl an Sport-, als auch an Alltagsmotorrädern. Ihr Klang sollte eine Art mystische Wirkung erzeugen, dadurch sollten sowohl Fahrer als Motorrad mit eine Art „Schutzmantel“ umhüllt werden. In England, so sagten Erzählungen, würden die Gremmlins genannten Plagegeister durch den Klang der Glocke, vom Bike fallen. Allerdings würde diese „magische“ Eigenschaft nur dann aktiviert, wenn einem das Glöcklein von jemand geschenkt würde. Dieses Präsent am Bike montiert würde mit jedem Läuten Schutz und Freude wiedergeben….

GAU

 

 

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